Walter Heun

Der Tanzproduzent und Tanzveranstalter Walter Heun begann seine Karriere 1984 als Mitbegründer des Choreografen-Kollektivs DANCE ENERGY und als Leiter der Tanztage München im Jahr 1986 und 1989. Seitdem engagiert er sich als Initiator, Mitglied und künstlerischer Leiter in verschiedenen nationalen und internationalen Institutionen insbesondere für den zeitgenössischen Tanz und die Performancekunst. Dank seiner herausragenden Vernetzung in der nationalen und internationalen Szene hat Heun die Entwicklung in diesen Bereichen auf nationaler und europäischer Ebene entscheidend mit vorangetrieben.

1990 gründete er die Tanz- und Theaterproduktionsfirma JOINT ADVENTURES. 1987 war Heun Mitbegründer der TANZTENDENZ MÜNCHEN e. V. und übernahm bis 1993 die Geschäftsführung dieser zentralen Proben- und Produktionsstätte für die Münchner Tanzszene. 1990 initiierte und koordinierte er das Festival BRDance, das erstmals zeitgenössischen Tanz aus Deutschland bundesweit in 15 Städten und ca. 120 Vorstellungen präsentierte, sowie ein Symposium zur Ausbildungssituation im zeitgenössischen Tanz in Deutschland.

1991 realisierte Walter Heun erstmalig die TANZWERKSTATT EUROPA in München, ein inzwischen nicht mehr weg zu denkender Treffpunkt der internationalen zeitgenössischen Tanzszene und Treffpunkt für Tanzprofis und Amateure aus München und der ganzen Welt. 1992-1994 gründete er das DANCE NETWORK EUROPE und im Anschluss das EUROPEAN NETWORK FOR THE RESEARCH OF CONTEMPORARY DANCE PRODUCTION (1994-2000), jeweils mit Förderung der Europäischen Kommission.

Um den Austausch und die Verbreitung des zeitgenössischen Tanzes, der Performance und des Theaters zu fördern und zu stärken, rief Heun 1991 das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN), damals gesponsert von DIGITAL EQUIPMENT, ins Leben. Dieses einzigartige Modell zur Förderung der Kooperation von Künstlern und Veranstaltern , sowie zur Distribution zeitgenössischer Tanz- und später auch Theaterproduktionen wird seit 1999 aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie von den Kultur- und Kunstministerien der Länder unterstützt und von JOINT ADVENTURES durchgeführt.

1999-2004 war Heun künstlerischer Leiter von luzerntanz am luzernertheater, dem von ihm initiierten choreographischen Zentrum, das die in Frankreich bekannten Produktionsweisen der "Maison de la danse" und der "Centres chorégraphiques" mit dem Stadttheatermodell des deutschsprachigen Raums in Einklang brachte. Dort konnte er neben der regen Produktionstätigkeit auch mehrere Festivals und diskursive Events wie "Schweizer Tanztage 2000", "Body as site - Body as bite" und "Nouvelle danse" realisieren.

Er war als Mitglied im Executive Committee des INFORMAL EUROPEAN THEATRE MEETING (1992-1994), dem EUROPEAN NETWORK OF INFORMATION CENTERS FOR THE PERFORMING ARTS (1994-2000) sowie als künstlerischer Berater und Programmplaner verschiedener Festivals aktiv (Internationales Tanzfestival Nordrhein-Westfalen 1996; Ideen des März, Bayerische Theaterakademie im Prinzregententheater München, 1993-1997).

Heun ist Mitbegründer und Co-Veranstalter der TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND, einer Werkschau des zeitgenössischen Tanzes aus Deutschland, die seit 1994 biennal in wechselnden deutschen Städten stattfindet. Eigen- und Koproduktionen sowie die Herausgabe der Publikationen zur Tanzplattform Deutschland (1994-1998) ergänzen das breite Tätigkeitsfeld Heuns. Außerdem ist er seit der Gründung im Jahr 1997 Erster Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands für zeitgenössischen Tanz.

Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Walter Heun künstlerischer Intendant des Tanzquartier Wien, wo er bereits mehrere Tanzplattformen, Festival- und Diskursformate, EU-Projekte und INTPA, ein System zur Förderung der internationalen Mobilität in Österreich entstandener choreografischer Werke mit den Bundesministerien für Kunst und Kultur sowie der europäischen und internationalen Angelegenheiten realisieren konnte.

2014 wurde Heun vom französischen Consul Général Emmanuel Cohet der Orden „Chevalier des Arts et des Lettres“ für seine besonderen Verdienste zur Verbreitung französischer Künstler, insbesondere auf dem Gebiet des zeitgenössischen Tanzes und der Performance, im Rahmen der deutsch-französischen Beziehungen verliehen.