Performance
Programm
2019

Opening
Miet Warlop
“Ghost Writer and the Broken Handbreak”

31. Juli 2019
Muffathalle

In „Ghost Writer and the Broken Hand Break“ der belgischen Performance- und Installationskünstelerin Miet Warlop wirbeln 3 Performer im Kreis – eine moderne, westliche Version des berühmten Drehtanzes, mit der in traditionellen sufistischen Zeremonien ein Zustand religiöser Ekstase erreicht wird. Dazu spielen sie hypnotische Rockmusik und singen. In einer raffinierten Mischung aus Sufitanz, Rezitation und Konzert bewegen sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Es entsteht ein schwindelerregendes Wahrnehmungsexperiment, das zum Nachdenken über die Geister unserer Zeit anregt.

Barbara Matijević & Giuseppe Chico
“Forecasting”

1. August 2019
Schwere Reiter

Für ihr Erfolgsstück „Forecasting“, das allein in Europa bereits mehr als 60 Mal gezeigt wurde, haben Barbara Matijević und Giuseppe Chico zahlreiche Amateurvideos auf Youtube durchforstet. Auf der Bühne werden die Videos, die alltägliche Situationen, Bewegungen und Objekte zeigen, mit den Aktionen der Performerin verschnitten. Der Bildschirm des Laptops wird zur Erweiterung ihres Körpers und damit zum Schnittpunkt zwischen dem realen Körper und der zweidimensionalen Welt der Bilder. Mit witzigen, mitunter aber auch verwirrenden Effekten gelingt es Matijević und Chico, Fragen zu den Grenzen des menschlichen Körpers in einer digitalisierten Welt aufzuwerfen.

 

Teresa Vittucci
“All Eyes On”

2. August 2019
HochX

Zuhause ist ein privater Ort. Ein Ort, an dem wir die Person sind, die wir sonst nirgends sind. Ein Raum für intime Handlungen – zum Beispiel nackt sein, Ex-Partner googeln, die Toilettentüre offen lassen. Teresa Vittucci begibt sich an die Grenzen jener öffentlichen Privaträume bzw. privaten Öffentlichkeit, die wir „Zuhause“ und „Internet“ nennen. In ihrer Doppelrolle als Performerin auf der Bühne und Online-Camgirl lädt Vittucci alle Zuschauer in ihre Intimsphäre ein. Das Publikum wird Zeuge fragiler Momente, in denen Vittucci Online-Begegnungen mit Fremden hat.

Louise Lecavalier
“So Blue”

3. & 4. August 2019
Muffathalle

Die kanadische Tanzikone Louise Lecavalier war international gefeierter Star in Edouard Locks Tanzkompanie LaLaLa Human Steps. Ihre Arbeit „So Blue“ markiert den bisherigen Höhepunkt ihrer zweiten Karriere als Choreografin. Darin riskieren sie und ihr Partner Frédéric Tavernini im Kampf gegen die Schwerkraft alles und gehen in unglaublicher Geschwindigkeit an ihre Grenzen. Der Körper ist Spielzeug, im nächsten Moment Herausforderung, am Ende pure Energie, Atem und Licht im Raum – ein intensiver und persönlicher Abend voller virtuoser Leichtigkeit zum eindringlichen Sound des türkischstämmigen Musikers Mercan Dede.

Anna Konjetzky
“The Very Moment”

4. & 5. August 2019
HochX

Die Münchner Choreografin Anna Konjetzky befragt den fragilen, uneffizienten Körper und den gesellschaftlichen Umgang mit ihm. Wie in einem Spiel treten fünf Tänzer gegeneinander an. Sie testen ihre Grenzen, arbeiten gegen krampfende Muskeln, gehen mit Balanceverlust um, geraten aus dem Tritt, fallen, geben auf und beginnen erneut. Momente des Autonomieverlusts werden ausgestellt, die zeigen, wie anfällig und verletzlich der Mensch und wie prekär Sicherheit ist. Kann Scheitern lustvoll, Fragilität Stärke, Imperfektion ein Befreiungsschlag sein?

Liquid Loft
“Candy’s Camouflage”

6. August 2019
Muffathalle

„Candy’s Camouflage“ ist Teil der „Imploding Portraits“ von Liquid Loft. Inspiriert von Andy Warhol‘s frühen filmischen Arbeiten setzt die Reihe diese raffiniert in eine räumliche Dimension um. Drei in kühles Licht getauchte weibliche Körper setzen sich zueinander in Beziehung. Die Schatten der realen Körper mischen sich mit silbern-entfärbten Bildern, die überlebensgroß an die Wand projiziert werden. In einem dichten Gewebe aus Licht, Schatten, Körpern, Stimmen und Sound entstehen Projektionen des Femininen, die an ihrer Oberfläche ausgelotet und deren brüchige Klischees und Stereotypen Stresstests unterzogen werden.

Charlie Morrissey
“What’s not there”

8. August 2019
Schwere Reiter

Der Brite Charlie Morrissey spielt in „What’s not there“ mit dem, was wir sehen und was wir nicht sehen. Worte, Handlungen und Bilder werden zu einer Geschichte sich überlappender Ereignisse im Raum – sowohl real als auch in der Vorstellung. Morrissey erschafft eine ganz eigene Welt und dekonstruiert diese wieder. In die Performance fließen Elemente aus früheren Arbeiten Morrisseys mit ein. Fragmente werden gesetzt, ersetzt, versetzt und in einen neuen Kontext gestellt. Herauskommt ein wunderbar witziger und intelligenter Abend, der Wahrnehmung, Erinnerung und die Konstruktion von Realität aufeinanderprallen lässt.

Jefta van Dinther
“Dark Field Analysis”

9. August 2019
Muffathalle

Der schwedische Choreograf Jefta van Dinther macht in „Dark Field Analysis“ die Intensität des Lebendigseins erfahrbar, indem er das Menschsein in Beziehung zu anderen Lebensformen setzt. Organisches vermischt sich mit synthetischem, menschliches mit animalischem und reales mit ätherischem Material. Ein langes Gespräch zwischen zwei nackten Männern auf einem Teppich entfaltet sich; das Thema Blut läuft wie ein roter Faden durch die Performance. Das Gespräch zwischen den beiden Männern ist jedoch mehr als Medizin. Das Motiv des Blutes wird zur Analogie: nach innen und nach außen zu schauen, in uns und jenseits unseres Selbst.

Who’s next?
Open Stage

7. August 2019
Muffathalle

Jedes Jahr kommen vielversprechende Tänzer*innen und Choreograf*innen aus der ganzen Welt nach München, um in den verschiedenen Workshops und Labs der TANZWERKSTATT EUROPA zu trainieren und eigenes choreografisches Material auszuprobieren. Einen Abend lang öffnen wir die Bühne der Muffathalle für ausgewählte künstlerische Beiträge der diesjährigen Teilnehmer.*innen Das Format bietet die Möglichkeit, sich inspirieren zu lassen und neue künstlerische Arbeiten zu entdecken. Who’s next?

Mit
Inés Belli
Emilie Gregersen
Jeanne Lakits
Aron Nowak, Chris-Pascal Englund Braun & Jens Trachsel
Dana Terracina