Die 5 Finalist:innen für den SEDA – Salavisa European Dance Award 2026 stehen fest
Im November wird der am höchsten dotierte europäische Tanzpreis zum zweiten Mal verliehen
Lukas Avendaño

Lukas Avendaño ist Performing Artist, Choreograf, Anthropologe und Schriftsteller. Ausgebildet in Tanz und Anthropologie verbindet er Tanz, Rituale, Ethnografie und Aktivismus miteinander. Seine Arbeit stützt sich auf „Muxeidad“ – das soziale - und Gender-System der Zapoteken, das die koloniale binäre Geschlechterordnung in Frage stellt und bereits vor der Ankunft der Europäer in Amerika existierte. Für Avendaño wird es zu einem Vehikel, kontroverse Erkundungen von Sexualität, Indigenität und Macht zu inszenieren. Als Aktivist befasst er sich mit einer der drängendsten Krisen in Amerika: dem Verschwinden und der Ermordung von Menschen, darunter auch das s eines eigenen Bruders.
Avendaños Werk entsteht in einem Grenzbereich, in dem Tanz zu einer Technik des Erinnerns, Überlebens (survivance) und der kollektiven Vorstellungskraft wird. Es erschließt Potentiale, das Verständnis des globalen zeitgenössischen Tanzes von Ritualen, Identität und Aktivismus neu zu gestalten – und bietet neue Methoden, Ideen und Möglichkeiten für die Zukunft dieses Bereichs an.
Chiara Bersani

Die Performerin, Choreografin und Aktivistin Chiara Bersani setzt sich für die Zugänglichkeit der darstellenden Künste für Künstler:innen mit Behinderung ein. In diesem Zusammenhang untersucht sie die Politiken des Körpers und wie die von uns geschaffenen Bilder mit Narrativen der Gesellschaft interagieren.
Sie ist Mitbegründerin des italienischen Vereins Al.Di.Qua.Artists, der sich die kulturellen Rechte von Künstler:innen und Kulturschaffenden mit Behinderung einsetzt und verändern möchte, wie Menschen mit Behinderung in den Mainstream-Medien und im öffentlichen Diskurs dargestellt werden. Beim Bastards International Performing Arts Festival 2025 (Trondheim, Norwegen) fungierte sie als Gastkuratorin, bei Spazio Kor (Asti, Italien) in der Saison 2025/2026 als Co-Kuratorin. 2025-2027 ist assoziierte Künstlerin der Triennale Milano Teatro.
Bersanis choreografische Praxis zeichnet sich durch radikale Präzision, konzeptionelle Tiefe und politische Dringlichkeit aus. Ihre Arbeiten nehmen eine tiefgreifende Neudefinition der Beziehung zwischen Körper, Zeit, Vision und Macht vor. Sie hinterfragen die vorherrschende Ästhetik der Virtuosität, Schnelllebigkeit und Produktivität und schlagen stattdessen eine Praxis vor, die auf Kontinuität, Aufmerksamkeit und radikaler Präsenz beruht.
Dan Daw

Dan Daw ist ein australischer Künstler und Produzent, der heute in Großbritannien lebt. Seine Karriere begann er 2002 als Darsteller beim Restless Dance Theatre (Australien). Seitdem arbeitete er mit mehreren internationalen Choreograf:innen und Kompanien zusammen, unter anderem dem Australian Dance Theatre, Force Majeure (Australien), FRONTLINEdance, dem Scottish Dance Theatre, balletLORENT, der Candoco Dance Company (alle Großbritannien), dem Skånes Dansteater (Schweden) and dem National Theatre Scotland. Er ist Associate Artist des Sadlers Wells in London.
Neben seiner kuratorischen Tätigkeit für verschiedene Festivals ist er Gründer von Dan Daw Creative Projects. Die von Menschen mit Behinderung geführte Kompanie ist wegweisend in der Entwicklung barrierefreier internationaler Tourneeproduktionen, die die Grenzen zwischen Theater, Tanz und Aktivismus verschwimmen lassen. Durch langfristige Partnerschaften und Residenzen setzt sie sich für einen systemischen Wandel in Institutionen und im gesamten Kultursektor zugunsten gehörloser und behinderter Künstler:innen und Publikum ein.
Daws Arbeit vereint auf einzigartige Weise konzeptionelle Scharfsinnigkeit, emotionale Intelligenz und politische Notwendigkeit und eröffnet hierdurch neue Perspektiven darauf, was Repräsentation, Autonomie und Intimität auf der Bühne bedeuten können. Seine künstlerische Praxis ist untrennbar mit seinem Aktivismus verbunden: Beide bestehen auf Zugang, Urheberschaft, Komplexität und Würde.
Mamela Nyamza

Die südafrikanische Choreografin; Pädagogin und Kunstaktivistin Mamela Nyamza erhielt eine Ballettausbildung an der Tshwane University of Technology. Ihre Laufbahn setzte sie als Gastwissenschaftlerin an der Alvin Ailey New York School of Dance fort, wo sie begann, die traditionellen Methoden und die Logik des westlichen Tanzkanons zu dekonstruieren. Nyamza deckt die historischen Ausgrenzungen auf, die in den Strukturen dieses Kanons verankert sind, und fordert nach Raum für historisch marginalisierte schwarze, queere und weibliche Körper.
Mit ihrer Praxis, die im Feminismus, der dekolonialen Kritik, autobiografischer Forschung und in einem unerschütterlichen Engagement für soziale Gerechtigkeit wurzelt, hat sie die afrikanische und internationale Performance-Landschaft verändert und gezeigt, wie Bewegung als Katalysator für kulturelle und institutionelle Transformation wirken kann. Sie ist Gründerin der gemeinnützigen Organisation MAMELAS ARTISTIC MOVEMENT, die arbeitslosen Tanzkünstler:innen, die augrund von Körperpolitiken ausgegrenzt wurden, eine kreative Heimat bietet.
Jefta van Dinther

In seiner Arbeit untersucht der Tänzer und Choreograf Jefta van Dinther die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein – im Verhältnis zu Gesellschaft, Umwelt und anderen Lebensformen. Ebenso zentral in seinem aktuellen Schaffen ist ein stärker werdendes Engagement für Barrierefreiheit und Vielfalt im Bereich des zeitgenössischen Tanzes. Er unterrichtet in verschiedenen internationalen Kontexten Choreografie und war Dozent und künstlerischer Leiter des Masterstudiengangs Choreografie an der Uniarts Stockholm. Seit 2024 ist er Mitglied im Beirat des HZT Berlin, wo er seit 2022 den Arbeitsraum DIORAMA leitet.
Jefta van Dinther gilt als einer der visionärsten Choreograf:innen seiner Generation. Seine Arbeit befasst sich mit tiefgründigen und universellen Fragen und zeigt, wie Körper durch soziale, kulturelle und atmosphärische Kräfte geprägt werden. Indem er den Menschen gleichzeitig als biologisches und relationales, physisches und psychologisches Wesen darstellt, hat van Dinther eine choreografische Sprache entwickelt, in der der Körper niemals allein ist. Er bewegt sich in immersiven Konstellationen aus Licht, Klang, Objekten und Materialien, die unsere Wahrnehmung radikal verändern.

